¡Bienvenidos a la Mariposa!

¡Bienvenidos a la Mariposa!

¡Bienvenidos a la Mariposa!

Mariposa ist der Name der Spanisch-Schule, in der ich mich für den Volunteering-Teil meiner Reise fit machen möchte. Ich werde zwar Englisch unterrichten, aber die pre-pubertären Stöpsel können zum größten Teil noch gar kein Englisch und dann ist es vermutlich von Vorteil zu verstehen, was mir so an den Kopf geworfen wird.

Da ich ziemlich viel über die Schule, die Menschen und meinen Alltag hier zu erzählen habe, wird der Lesespaß auf zwei Blog-Artikel aufgeteilt werden. Anfangen möchte ich gerne mit einer Erklärung, was die Schule Mariposa eigentlich ist. Denn sie ist weit mehr als nur eine einfache Spanisch-Sprachschule. Ich glaube sie hat das Leben für die Menschen in San Juan und La Concha grundlegend verändert.

Fangen wir mal mit der Verortung an. Ich dachte eigentlich dass ich zu einer Sprachschule in der Stadt Masaya fahren würde – knapp daneben ist auch vorbei. Ich bin in einer Sprachschule in dem Gebiet Masaya (ja, heißt genauso wie die Stadt), aber in einem Teil der San Juan del Oriente heißt und eigentlich ein winziges Dorf mit ca, 3.000 Einwohnern ist. Zwei Kilometer weiter gibt es dann La Concepcion (oder La Concha), die etwas größere Stadt mit ca. 30.000 Einwohnern. Die Stadt Masaya hat 140.000 Einwohner und ist ca. 10 Kilometer entfernt.

La Mariposa wurde von einer Engländerin namens Paulette gegründet, zu einer Zeit in der sowohl in San Juan als auch La Concha Menschen mit hellerer Haut nicht direkt angeschaut wurden, weil sie doch irgendwie unheimlich waren. Eine Gegend mit viel Armut, viel Arbeitslosigkeit und viel Perspektivlosigkeit. Hier hat Paulette eine „Escuela de Español“ – eine Spanischschule – gegründet, was laut einer meiner Lehrerinnen auf viel Skepsis gestoßen ist. Wieso sollte man denn Spanisch lernen? Das kann doch hier jeder? Fern der Gedanke, dass „Ausländer“ nach San Juan kommen könnten. Aber genau das ist dann irgendwann passiert: La Mariposa ist eine Schule, die ortsansässige Frauen und Männer beschäftigt, um Reisenden Spanischunterricht zu geben. Außerdem besitzt sie mittlerweile verschiedene Gebiete, sogenannte „Reservas“, wo selbst Obst und Gemüse angebaut wird und Kinder einen Ort bekommen um Nachmittags zu malen, spielen, undundund. Auch hier werden Leute aus dem Ort beschäftigt, um sich um die Aussaat, Ernte und Betreuung der Kinder zu kümmern. Neben den Einheimischen Beschäftigten können auch Reisende in der Organisation La Mariposa Freiwilligenarbeit leisten: In La Reserva helfen (da gibt es immer genug zu tun), Englisch an den örtlichen Schulen unterrichten, bei entsprechendem Beruf auch in einem der Krankenhäusern aushelfen, und vieles mehr. Arbeit gibt’s genug!

Typische Bilder aus La Mariposa sind die Folgenden:

Hier bekommen nämlich auch streunende Katzen und Hunde ein Zuhause, werden medizinisch behandelt, sterilisiert und gefüttert. Und wenn ich eines bisher festgestellt habe, dann dass es UNGLAUBLICH viele streunende Hunde hier gibt…mehr Hunde als Menschen auf den Straßen hier! Wobei dem ungeübten Auge nicht immer ganz klar ist ob die Hunde familienlos sind oder nicht, denn zB meine Lehrerin meinte dass ihre Hunde auch immer auf der Straße herumlaufen. Hier ist alles viel offener und man rennt einfach überall rein und raus. Türen werden überbewertet.

Auf dem Gelände hier gibt es außerdem ein paar Gehege, in denen Affen, Tukane, Kaninchen und alles mögliche andere an Tieren lebt. Mittlerweile gilt La Mariposa in der Region als Auffangstation, in der kranke Tiere abgegeben werden können. Die dann hier aufgepäppelt und danach entweder wieder in die Wildnis entlassen werden, oder – falls zu krank oder alt – hier ihren Lebensabend verbringen dürfen.

La Mariposa bezeichnet sich außerdem als EcoHotel. Hotel für die Spanischlernenden und Eco, weil sehr bedacht auf den ökologischen Fußabdruck. Strom und warmes Wasser werden über Solaranlagen erzeugt, die White-Board Marker der Lehrer aufgefüllt statt ersetzt, das Essen kommt entweder aus eigenem Anbau oder der Region, Toiletten funktionieren mit Regenwasser und das „Grey Water“ – also benutztes Wasser aus Duschen und Waschbecken – wird zur Bewässerung der Pflanzen wiederverwendet, sodass es zurück in die Erde kommt. Da wo es hingehört.

Mit den Einnahmen aus der Spanischschule werden nicht nur die Reservas, Tiere und Schulprojekte finanziert, sondern es gibt auch einige Einzelpersonen, die unterstützt werden. Isabela zum Beispiel ist ein Mädchen aus La Concha, deren Mutter mehr Interesse an Alkohol als an ihrer Tochter gezeigt hat, die aber in der Nachbarschaft von Paulette wohnt. Bis sie acht Jahre alt war, ist Isabela nicht zur Schule gegangen und hat nur unregelmäßig Essen bekommen. Dann hat sie ein Stipendium bekommen, geht jetzt auf eine Privatschule, bekommt Nachhilfe und rockt ihren Unterricht. Man merkt – viel gutes Zeug was hier passiert. Und es wird einem wieder einmal bewusst, wie verdammt privilegiert man selbst doch ist. Das liebe ich am Reisen – es holt einen ein bisschen auf den Boden der Realität zurück. Und plötzlich werden Deadlines, Selbstverwirklichungsthemen und ein bisschen schlechtes Wetter wieder als das ins rechte Licht gerückt, was sie eigentlich sind: #FirstWorldProblems.

Wer mehr wissen, selbst mal herkommen oder helfen möchte findet unter www.mariposaspanishschool.com mehr Informationen.

Hui. Das war wesentlich mehr als ich eigentlich schreiben wollte. Aber es gibt hier einfach so viele bemerkenswerte und spannende Dinge zu berichten!

Mehr Details dazu wie es mir hier so geht, wie der Spanischunterricht und die Leute so sind, gibt’s dann beim nächsten Mal.

Zum Abschluss nur so viel: Trudi hat sich seit Tag 2 nicht mehr blicken lassen, worüber ich nicht ganz unglücklich bin. Heinz habe ich seit gestern nicht mehr gesehen, was ich etwas bedenklich finde. Hoffentlich habe ich Heinz nicht aus versehen im Schlaf gegessen. Das wäre höchst unangenehm – für uns beide. Und das nicht nur, weil Heinz großer Bruder vor meiner Tür wohnt:

Hasta mañana!

Yours,

Lisbeth

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4 Replies to “¡Bienvenidos a la Mariposa!”

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